Myōkyō-ni Irmgard Schlögl

Die sanfte Wandlung des Bullen

Die zehn Bullenbilder — Eine spirituelle Reise

144 S., fest gebunden mit Fadenheftung
ISBN 978-3-932337-24-6

Die zehn Bullenbilder des chinesischen Zen-Meisters Kuo-an (Kakuan, 12. Jh.) — auch bekannt unter der Bezeichnung «Der Ochs und sein Hirte» — sind bis in unsere Zeit ein häufig gebrauchtes Mittel zur Ergründung des Zen.

Sie dokumentieren das Heranreifen des Schülers auf dem Weg zur Klarheit des Geistes und spiegeln in einzigartiger Weise die einzelnen Stufen des Trainings und ihre Verwobenheit mit dem Alltag.

Das tiefgründige Vorwort zu dem Werk wurde verfasst von Chi-yuan, einem Mönch aus der direkten Linie Kuo-ans, und er schrieb auch die kurzen Einführungen zu jedem der Bilder.

Zen-Meisterin Myōkyō-ni Irmgard Schlögl erklärt uns in diesem Band sowohl den historischen Kontext der Bilder als auch ihre Bedeutung für unser Zen-Training heute. In ihren Kommentaren erläutert sie, wie die Bullenbilder die verschiedenen, einander durchdringenden Ebenen unserer Suche nach spiritueller Vervollkommnung repräsentieren und uns auch dabei helfen, häufige Fehler zu vermeiden und unseren Fortschritt auf dem WEG richtig einzuschätzen.


Buchbesprechung in Buddhismus aktuell:
Wenn das Schwierige leicht daherkommt, ist es eine besondere Freude! Myokyo-ni Irmgard Schlögl ist es in dem Werk «Die sanfte Wandlung des Bullen. Die zehn Bullenbilder — eine spirituelle Reise» gelungen, die großen Möglichkeiten des Zen aufzuzeigen. Seit dem 12. Jahrhundert dienen die Bilder Generationen von Zen-Übenden als Leitfaden, in ihrer grundlegenden Botschaft sind sie kulturübergreifend. Die gebürtige Österreicherin, die ihre Ausbildung im Kloster Daitoku-ji in Japan erhielt, und Jahrzehnte lang in London lehrte, hat mit diesem Buch ein zeitloses Werk von religionsübergreifender Weisheit geschaffen. Es zeigt den Prozess auf von der Wandlung des Bullen, der Ich-Bezogenheit, von fassadenhafter Höflichkeit, Aggression, Getrenntheit und Angst hin zu gebender Energie und Liebe. Der Weg nach innen ist jedoch nie losgelöst von religiöser Ehrfurcht und Demut, die ihren Ausdruck in der Verbeugung finden. Wenn Myokyo-ni Schlögl sagt, dass das Große Wesen immer ein Geheimnis bleiben wird, zeigt sie auch die Grenzen der spirituellen Reise auf. Knapp 20 Jahre nachdem das Werk in englischer Sprache erschien, ist es jetzt auch auf Deutsch publiziert worden und ermöglicht dem Leser, teilzuhaben an der transformierenden Kraft des buddhistischen Zen. Die Zähmung des Bullen mag schwierig sein, sie erfordert Geduld in jedem Augenblick unseres Lebens und sie reduziert sich wahrlich nicht auf Lesen und Meditieren, wie Schlögl betont. Doch hat man erst einmal Lasten wie Vorurteile und zwanghafte Vorstellungen abgeworfen, tritt man so mit leichtem Gepäck an und beginnt eine hoffnungsfrohe Reise als unbeschwertes Mitschwingen mit der allumfassenden Energie der Welt. (Iris Eggenhofer)


Buchbesprechung in Bodhi Sangha News:
Entstanden wahrscheinlich im 12. Jahrhundert sind die zehn Bullenbilder (besser bekannt als «Ochsenbilder») auch heute noch ein Mittel zur Schulung auf dem Weg, denn sie repräsentieren die schrittweise Verwirklichung der eigenen wahren Natur, des Selbst. - Das vorliegende Werk stammt von Myokyo-ni Irmgard Schlögl (1921-2007), Schülerin der Meister Sesso Roshi, Sojun Roshi und Soko Morinaga Roshi. 1977 gründete sie das Zen-Zentrum London.
Was beinhalten nun die Bullenbilder? Wofür stehen Sie? Welchen Weg zeigen sie? Schlögl fasst zusammen (Klammeranmerkungen vom Rezensenten): «Es ist ein Hauptanliegen des Buddhismus, diese Klesa (die ‹uns anfallenden› Leidenschaften, wie sie auch in der zweiten Zeile der Vier Großen Gelübde erwähnt werden) auszumerzen, was gleichbedeutend mit der Umwandlung ihrer inhärenten Energie (symbolisiert durch den Bullen) ist. Gleichgültig aus welchem Blickwinkel wir dies betrachten, stets ergibt sich die grundlegende Perspektive: Der Weg aus dem Leiden heraus = Ausmerzen der uns anfallenden Leidenschaften = Umwandlung der in den Leidenschaften lodernden Energie in Buddha-Natur = Wandlung des Bullen = wahrhaft menschlich werden = Erkenntnis von Nicht-Ich = Ende jeglicher Angst = Einsicht in die Natur der Veränderung = Erlösung = Einsicht in die Dinge, wie sie wirklich sind = das Ende des Leidens = Erwachen.» Im Kern geht es also darum, als Voraussetzung für das Erwachen, die uns anfallenden Leidenschaften zu überwinden, umzuwandeln.
Die Bildfolge beginnt mit dem Suchen des Bullen, mit der Erkenntnis, dass uns etwas fehlt. Es folgt das Entdecken der Spuren des Bullen: die Entdeckung verschiedener tief verwurzelter Gewohnheiten und Einstellungen. Im nächsten Bild wird der Bulle gefunden: Ich erkenne in vielen Situationen, wie sehr ich von meinen Leidenschaften bestimmt werde. Dann (Bild 4) wird der Bulle gefangen. Wenn der Hirte wirklich den Bullen besänftigen will, muss er zur Peitsche greifen, d. h. wir müssen lernen, bei uns zu bleiben, uns nicht von unseren Leidenschaften wegtragen zu lassen. Jetzt erst (Bild 5) kann die sanfte Wandlung des Bullen erfolgen: «Halte die Zügel straff und gestatte dir kein Zaudern.» Dann endlich (Bild 6) wird die Heimkehr auf dem Rücken des Bullen möglich. «Nur wenn die Energie der quälenden Leidenschaften vom ‹Elementarfeuer› in ‹Menschlichkeit› umgebildet ist, nur dann ist der menschliche Bereich der Aufenthaltsort, in dem der Weg des Buddha seine Anziehungskraft auf die Menschen ausübt.» Der Mensch wird wieder ganz: «Der Bulle ist vergessen, der Hirte bleibt zurück.» (Bild 7) Den Bullen gibt es nicht mehr. Erst mit diesem Bild beginnt der eigentlich religiöse Weg in der Menschenwelt. In Bild 8 sind Bulle und Hirte vergessen (Symbol: leerer Kreis), der Hirte ist den «Großen Tod» gestorben. Mit Bild 9 «Die Rückkehr zum Ursprung, zurück zur Quelle» ist der Weg aber noch nicht zu Ende. Zwar steht mein Handeln jetzt im Einklang mit der Situation und ist durch Nichteinmischung, Absichtslosigkeit, Nicht-Tun (wu-wei) gekennzeichnet, aber was noch fehlt ist «das Betreten des Marktplatzes mit Segen spendenden Händen». Oder, um ein anderes Bild zu gebrauchen, der Hirte «ist selbst zum Floß geworden, um anderen hinüberzuhelfen» an das andere Ufer. Oder, um abschließend eines der jedem Bild beigefügten Gedichte von Kuo-an (Kakuan) zu zitieren: «Mit nackter Brust und barfüßig betritt er den Marktplatz, / voller Staub im Gesicht, den Kopf mit Asche bestreut. / Über seine Wangen strömt ein kräftiges Lachen. / Ohne dass er sich um Wunder bemüht, / lässt er plötzlich tote Bäume aufblühen.»
Irmgard Schlögl versteht es, die alten chinesischen Ochsenbilder nicht nur für Zen-Meditierende, sondern ganz allgemein für spirituell orientierte Menschen unserer Zeit gut verständlich zu erschließen und den Weg aufzuzeigen, den jeder und jede bis zum Erwachen und darüber hinaus zu gehen hat. Insofern verdient das Werk, das man mit großem Gewinn lesen wird, eine breitere Empfehlung! (Dr. Michael Mücke)



Ebenfalls von Myokyo-ni Irmgard Schlögl ist lieferbar:

Die Weisheit der Zen-Meister

Die Suche nach der Ganzheit. Unterweisungen für übende Zen-Buddhisten